Keine Tatsache mehr

Ein hoher systolischer Blutdruck bei älteren Menschen ist eine harmlose und notwendige Folge des Alterns.

Was wir heute wissen

Isolierte systolische Hypertonie ist ein bedeutender behandelbarer Risikofaktor für Schlaganfall, Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen und Tod. Behandlungsziele müssen dennoch Gebrechlichkeit, Nebenwirkungen und individuelle Umstände berücksichtigen.

Warum sich das änderte

Ärzte akzeptierten steigenden systolischen Druck häufig als notwendig, um alterndes Gewebe ausreichend zu durchbluten, und befürchteten, eine Behandlung könne gefährlich sein. Randomisierte Studien bei älteren Erwachsenen zeigten, dass die Senkung des systolischen Blutdrucks Schlaganfälle und kardiovaskuläre Ereignisse deutlich verringerte.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈76 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1970er- bis 1990er-Jahre

Mit zunehmendem Alter steigt bei vielen Menschen der systolische Blutdruck, unter anderem weil große Arterien steifer werden. Früher wurde dieser Anstieg deshalb häufig als normaler oder sogar notwendiger Teil des Alterns betrachtet.

Dahinter stand auch eine reale Sorge: Wenn ältere Gewebe eine höhere Druckdifferenz zur Durchblutung brauchten, könnte eine medikamentöse Senkung Schwindel, Ohnmacht oder Organschäden verursachen.

Randomisierte Studien prüften diese Annahme direkt. Die SHEP-Studie zeigte bei älteren Erwachsenen mit isolierter systolischer Hypertonie, dass eine Behandlung Schlaganfälle und schwere kardiovaskuläre Ereignisse deutlich verringerte.

Spätere Studien, darunter HYVET, fanden Nutzen selbst bei Menschen ab 80 Jahren.

Damit wurde klar, dass ein häufiger altersbedingter Befund nicht automatisch harmlos ist. Ein hoher systolischer Druck erhöht das Risiko für Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden und Tod.

Das bedeutet nicht, dass alle älteren Menschen auf denselben Zielwert behandelt werden sollten. Gebrechlichkeit, Sturzrisiko, Nierenfunktion, Medikamente und individuelle Belastbarkeit spielen eine große Rolle.

Korrigiert wurde die pauschale Annahme, systolische Hypertonie sei allein deshalb ungefährlich oder physiologisch nötig, weil sie im Alter häufig vorkommt.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Primärforschung

Aktuelle Evidenz

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