Keine Tatsache mehr

Migräne wird einfach dadurch verursacht, dass sich Blutgefäße zunächst verengen und anschließend erweitern.

Was wir heute wissen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, an der Hirnnetzwerke, Sinnesverarbeitung, das Trigeminussystem, Botenstoffe und Blutgefäße beteiligt sind. Veränderungen der Gefäßweite können während einer Attacke auftreten, doch eine Gefäßerweiterung allein ist weder notwendig noch ausreichend, um Migräne zu erklären.

Warum sich das änderte

Die ältere Gefäßtheorie erklärte die Aura durch eine Verengung von Hirngefäßen und den anschließenden Kopfschmerz durch deren Erweiterung. Bildgebung, Blutflussmessungen und Behandlungen, die gezielt neuronale Signalwege beeinflussen, zeigten jedoch, dass Attacken ohne diese einfache Gefäßabfolge beginnen können und Migräne breitere Veränderungen im Nervensystem umfasst.

Status
Abgelöst
Kategorie
Neurowissenschaften
Akzeptiert für
≈45 Jahre
Ungefähr akzeptiert
1940er- bis 1990er-Jahre
Ungefähr geändert
1980er-Jahre bis heute

Über weite Teile des 20. Jahrhunderts wurde Migräne vor allem als Problem der Blutgefäße im und um das Gehirn erklärt.

Die klassische Abfolge war einfach: Zunächst sollten sich Gefäße verengen und dadurch die als Aura bezeichneten Seh- oder Sinnesstörungen auslösen. Anschließend sollten sie sich erweitern, und diese Erweiterung galt als Ursache des pochenden Kopfschmerzes.

Das Modell passte zu manchen Beobachtungen, aber nicht zu allen.

Bildgebung und Blutflussmessungen zeigten, dass Migräneattacken auch ohne die vorhergesagte Abfolge von Verengung und Erweiterung beginnen können. Veränderungen der Gefäßweite stimmen außerdem nicht zuverlässig genug mit den Symptomen überein, um die ganze Erkrankung zu erklären.

Die Forschung richtete sich zunehmend auf das Nervensystem selbst. Das Trigeminussystem wird während Attacken aktiviert. Auch Hirnnetzwerke für Schmerz- und Sinnesverarbeitung verändern sich, und Botenstoffe wie CGRP helfen, migränebezogene Signale weiterzugeben und zu verstärken.

Medikamente, die CGRP oder andere neuronale Signalwege blockieren, können Migräne verhindern oder lindern, ohne einfach nur Gefäße mechanisch zu verengen.

Blutgefäße bleiben Teil der Migränebiologie; deshalb wird sie häufig als neurovaskuläre Erkrankung beschrieben. Verschwunden ist die Ein-Ursachen-Erklärung, Migräne sei lediglich ein Kopfschmerz durch die Erweiterung einer Arterie.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • Pathophysiology of MigrainePubMed Central

    Erklärt, wie Wolffs Arbeiten der Gefäßtheorie Auftrieb gaben und sie zur führenden Erklärung der Migräne machten.

Historischer Kontext

  • Exciting excitable brainsPubMed Central

    Stellt fest, dass die Gefäßtheorie durch Belege für primäre Vorgänge im Gehirn und neurovaskuläre Mechanismen abgelöst wurde.

Aktuelle Evidenz

  • Vascular Contributions to MigrainePubMed Central

    Gibt einen Überblick über die heutige Auffassung, wonach Gefäßveränderungen beitragen können, Migräne aber nicht allein erklären.

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