Keine Tatsache mehr

Nach Erreichen des Erwachsenenalters ist das Gehirn dauerhaft fest verdrahtet und kann sich nicht mehr wesentlich reorganisieren.

Was wir heute wissen

Auch erwachsene Gehirne bleiben veränderungsfähig; diese Eigenschaft heißt Neuroplastizität. Lernen, Erfahrung, Verletzungen, Stress, Hormone und Rehabilitation können Synapsen, neuronale Karten, Vernetzung und sogar messbare Aspekte der Hirnstruktur verändern.

Warum sich das änderte

Die Vorstellung eines weitgehend fixierten erwachsenen Nervensystems war lange ein neurologisches Dogma. Läsionsstudien, Mikroskopie, Bildgebung, Untersuchungen sensorischer Karten und Rehabilitation zeigten anhaltende strukturelle und funktionelle Reorganisation.

Status
Widerlegt
Kategorie
Neurowissenschaften
Akzeptiert für
Nicht quantifiziert
Ungefähr akzeptiert
Spätes 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts
Ungefähr geändert
1960er-Jahre bis heute

Das erwachsene Gehirn wurde lange als vergleichsweise starr betrachtet: Die Entwicklung legte seine wesentliche Verschaltung fest, und das Erwachsenenalter brachte Stabilität statt größerer Reorganisation. Bestärkt wurde diese Annahme durch die oft schlechte Erholung nach schweren Hirn- und Rückenmarksverletzungen und dadurch, dass es kaum Methoden gab, Veränderungen lebender neuronaler Netzwerke direkt zu verfolgen.

Nach und nach zeigte sich, dass erwachsene Nervensysteme weniger starr sind. Läsionsversuche zeigten, dass verbliebene Nervenzellen neue synaptische Anordnungen bilden können; Untersuchungen des sensorischen und motorischen Kortex fanden Veränderungen kortikaler Karten, geordneter Repräsentationen von Sinneseindrücken und Bewegungen im Gehirn, wenn sich Eingänge oder Verhalten änderten; Rehabilitation belegte funktionelle Neuverteilung nach Verletzungen. Raismans Arbeit von 1969 war ein frühes anatomisches Beispiel dafür, dass sich synaptische Verbindungen im erwachsenen Gehirn nach dem Verlust eines Teils ihrer Eingänge dauerhaft reorganisieren können.

Moderne Bildgebung und Langzeitstudien haben dieses Bild beim Menschen erweitert und erfahrungsabhängige Veränderungen von Vernetzung und messbaren Strukturmerkmalen gezeigt. Neuroplastizität bleibt jedoch durch Alter, Hirnregion, Verletzung, Erkrankung und Training begrenzt. Widerlegt wurde die Vorstellung dauerhafter Festverdrahtung – nicht die umgekehrte Fantasie, ein erwachsenes Gehirn könne sich ohne biologische Grenzen beliebig neu organisieren.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Aktuelle Evidenz

Primärforschung

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