Keine Tatsache mehr

Das Unterdrücken vorzeitiger ventrikulärer Herzschläge nach einem Herzinfarkt senkt das Risiko eines plötzlichen Todes.

Was wir heute wissen

Nach einem Herzinfarkt macht das Unterdrücken vorzeitiger Kammerextraschläge im EKG einen Patienten nicht automatisch sicherer. In der CAST-Studie unterdrückten Encainid und Flecainid diese auffälligen Schläge, erhöhten aber sowohl die Todesfälle durch Herzrhythmusstörungen als auch die Gesamtsterblichkeit.

Warum sich das änderte

Häufige vorzeitige Kammerextraschläge waren mit plötzlichem Herztod verbunden, weshalb ihre Unterdrückung als naheliegender Schutz erschien. CAST prüfte diese Annahme an der tatsächlichen Überlebensrate und fand das Gegenteil – ein verbessertes Risikomerkmal konnte mit einem schlechteren klinischen Ergebnis einhergehen.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈14 Jahre
Ungefähr akzeptiert
1970er-Jahre bis 1989
Ungefähr geändert
1989

Nach einem Herzinfarkt treten bei manchen Patienten häufig vorzeitige Kammerextraschläge auf.

Das sind zusätzliche Herzschläge, die in den Ventrikeln – den großen Pumpkammern des Herzens – beginnen, bevor der nächste normale Schlag fällig wäre. Weil solche Extraschläge mit einem erhöhten Risiko für plötzlichen Herztod verbunden waren, schienen sie mehr als nur ein Warnzeichen zu sein: Vielleicht waren sie selbst Teil der Ursache.

Die Behandlungslogik war deshalb einfach. Wenn ein Medikament die Extraschläge unterdrückte, müsste es gefährliche Rhythmusstörungen verhindern und Leben retten.

Encainid und Flecainid funktionierten sehr gut bei diesem elektrischen Messwert. Im Elektrokardiogramm, kurz EKG, traten deutlich weniger vorzeitige Kammerextraschläge auf.

Die Cardiac Arrhythmia Suppression Trial, CAST, stellte jedoch die wichtigere Frage: Lebten diese Patienten tatsächlich länger?

Das Gegenteil war der Fall. Patienten unter den Wirkstoffen starben häufiger an Herzrhythmusstörungen und hatten auch insgesamt eine höhere Sterblichkeit als Patienten unter Placebo. Die betreffenden Studienarme wurden vorzeitig beendet.

Die Extraschläge waren ein Surrogatendpunkt – ein messbares Merkmal, das mit dem eigentlich wichtigen klinischen Ergebnis zusammenhing. CAST wurde zu einem klassischen Beispiel dafür, dass die Verbesserung eines solchen Markers noch nicht beweist, dass eine Behandlung Patienten nützt.

Die Studie bedeutet nicht, dass jedes Antiarrhythmikum in jeder Situation gefährlich ist. Die klare Lehre galt für diese Hochrisikopatienten nach Herzinfarkt: Das EKG sah unter den Medikamenten besser aus, während das Überleben schlechter wurde.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Primärforschung

Historischer Kontext

  • Surrogate End Points in Clinical TrialsNational Academies Press

    Nutzt die antiarrhythmische Therapie als klassisches Beispiel dafür, dass die Verbesserung eines Surrogatmarkers klinische Ergebnisse verschlechtern kann.

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