Der Status von Wasser als Element reicht weiter zurück als Aristoteles. Im fünften Jahrhundert v. Chr. beschrieb Empedokles vier beständige „Wurzeln“, die der gewöhnlichen Materie zugrunde liegen: Erde, Wasser, Luft und Feuer. Aristoteles integrierte diese vier später in eine wesentlich systematischere Physik. In Über Werden und Vergehen verband er Wasser mit den Eigenschaften kalt und feucht und behandelte es als einen der Grundkörper, aus denen zusammengesetzte Stoffe entstehen und ineinander übergehen konnten.
Die Bedeutung Aristoteles’ lag nicht darin, dass ihm um 350 v. Chr. plötzlich alle zustimmten. Entscheidend war vielmehr, dass seine Naturphilosophie einen ungewöhnlich umfassenden Rahmen für Materie, Bewegung, den Himmel, Meteorologie, Entstehung und Biologie bot. Nachdem das aristotelische Werk im mittelalterlichen lateinischen Europa weithin verfügbar geworden war, wurden seine naturkundlichen Schriften zu zentralen Texten der universitären Ausbildung und blieben bis in die Renaissance wichtige Bezugspunkte.
Die chemische Revolution sprengte schließlich die alte Kategorie selbst. Experimentatoren des 18. Jahrhunderts lernten, verschiedene Gase zu isolieren und zu charakterisieren. Arbeiten von Henry Cavendish, Antoine Lavoisier und anderen zeigten, dass Wasser aus den später als Wasserstoff und Sauerstoff bezeichneten Stoffen erzeugt werden konnte. Die spätere Elektrolyse machte seine Zerlegbarkeit unmittelbar sichtbar.
Diese Karte umfasst daher zwei unterschiedliche Bedeutungen von Element. Das klassische Element war ein grundlegender Bestandteil innerhalb eines erklärenden physikalischen Systems; das moderne chemische Element wird durch seine atomare Identität definiert. Unter diesem neueren Begriff konnte Wasser nicht mehr als Element gelten, weil es eine Verbindung ist.