Keine Tatsache mehr

Schizophrenie wird durch dysfunktionale Erziehung und widersprüchliche Kommunikation innerhalb der Familie verursacht.

Was wir heute wissen

Schizophrenie ist eine komplexe Erkrankung, an der genetische Anfälligkeit, Gehirnentwicklung, Biologie und Umwelt-Risikofaktoren beteiligt sind. Familiäre Beziehungen verursachen die Erkrankung nicht.

Warum sich das änderte

Die Psychiatrie der Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitete Konzepte wie die „schizophrenogene Mutter“ und den familiären „Double Bind“. Genetische, epidemiologische, entwicklungsbiologische und neurowissenschaftliche Forschung stützte diese Theorien nicht.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈35 Jahre
Ungefähr akzeptiert
1940er- bis 1970er-Jahre
Ungefähr geändert
1960er- bis 1990er-Jahre

In der Psychiatrie der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Ursache der Schizophrenie häufig innerhalb der Familie gesucht. Theorien über die „schizophrenogene Mutter“ machten kalte, kontrollierende oder widersprüchliche Erziehung verantwortlich. Die „Double-Bind“-Hypothese wiederum nahm an, wiederholt unvereinbare Botschaften könnten ein Kind in krankhafte Kommunikationsmuster drängen.

Solche Vorstellungen waren einflussreich, weil die Biologie der Schizophrenie noch wenig verstanden war und psychoanalytische Erklärungen große Teile der Psychiatrie prägten.

Für Familien, besonders für Mütter, hatten diese Modelle gravierende Folgen: Belastete Beziehungen wurden nicht nur als Begleiterscheinung einer schweren Erkrankung behandelt, sondern als deren Ursache.

Genetische Forschung, Zwillings- und Adoptionsstudien, Entwicklungsbiologie, Epidemiologie und Neurowissenschaften ergaben zunehmend ein anderes Bild. Schizophrenie wird heute als komplexe Erkrankung verstanden, bei der erbliche Anfälligkeit, Gehirnentwicklung und verschiedene Umweltfaktoren zusammenwirken.

Das familiäre Umfeld kann nach Ausbruch der Erkrankung weiterhin wichtig sein. Hohe Konfliktbelastung kann Rückfälle beeinflussen, und unterstützende Familieninterventionen können die Behandlung deutlich verbessern.

Diese therapeutische Bedeutung ist jedoch kein Beleg dafür, dass die Familie die Erkrankung verursacht hat. Die familienbeschuldigenden Ursachentheorien selbst haben sich nicht gehalten.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

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