Keine Tatsache mehr

Eine routinemäßige Episiotomie verhindert schwere Geburtsverletzungen, schützt den Beckenboden und verbessert die Geburtsergebnisse.

Was wir heute wissen

Eine routinemäßige Episiotomie bietet diese allgemeinen Vorteile nicht und kann Schmerzen, Blutverlust, Heilungsprobleme und schwere Dammverletzungen erhöhen. Ein zurückhaltender Einsatz führt bei den meisten spontanen vaginalen Geburten zu besseren Ergebnissen.

Warum sich das änderte

Die Episiotomie wurde im 20. Jahrhundert trotz schwacher Belege zur Standardpraxis. Randomisierte Studien und systematische Übersichten zeigten, dass routinemäßiges Einschneiden jene Verletzungen nicht verhinderte, die es eigentlich vermeiden sollte.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈69 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Frühes bis spätes 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1980er- bis 2000er-Jahre

Eine Episiotomie ist ein chirurgischer Schnitt in den Damm, also das Gewebe zwischen Scheidenöffnung und After. Sie wurde als kontrollierte Inzision eingeführt, die einen unvorhersehbaren natürlichen Dammriss ersetzen sollte. Die Logik war überzeugend: Eine saubere Inzision könnte leichter heilen, schwere Risse verhindern, den Beckenboden schützen und die Geburt beschleunigen.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde der Eingriff in vielen Kliniken nahezu routinemäßig durchgeführt, obwohl die angenommenen Schutzwirkungen nur unzureichend durch belastbare Studien geprüft waren.

Vergleichende Untersuchungen kehrten die Annahme um. Eine routinemäßige Episiotomie verhinderte schwere Dammverletzungen oder spätere Beckenbodenprobleme nicht zuverlässig und konnte selbst Schmerzen, Blutverlust, Wundheilungsstörungen sowie die Ausdehnung zu schwereren Verletzungen begünstigen.

Ein zurückhaltender Einsatz – also eine Episiotomie nur bei konkreter Indikation – führte bei den meisten spontanen vaginalen Geburten insgesamt zu besseren Ergebnissen und wurde zum empfohlenen Vorgehen.

Der Eingriff ist damit nicht verschwunden. Bei bestimmten assistierten Geburten, akuter fetaler Gefährdung oder anderen ausgewählten Situationen kann er weiterhin sinnvoll sein.

Widerlegt ist die allgemeine Präventionsregel: Frauen werden als Gruppe nicht besser geschützt, wenn der Damm routinemäßig eingeschnitten wird.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Aktuelle Evidenz

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