Keine Tatsache mehr

Rachitis wird hauptsächlich durch eine Infektion oder schlechte Hygiene verursacht.

Was wir heute wissen

Die meisten Fälle ernährungsbedingter Rachitis entstehen durch unzureichendes Vitamin D, Kalzium oder Phosphat. Dadurch wird die Mineralisierung gestört – also die Einlagerung von Mineralstoffen, die wachsende Knochen fest und belastbar macht. Zu wenig Sonnenlicht, Ernährung, Malabsorption und bestimmte erbliche Erkrankungen können dazu beitragen.

Warum sich das änderte

Rachitis war in dicht besiedelten Industriestädten häufig und trat oft zusammen mit Atemwegserkrankungen auf, wodurch Infektion und Hygiene als Ursachen plausibel erschienen. Tierversuche, Sonnenlichtbehandlung, Lebertran und die Isolierung von Vitamin D etablierten eine ernährungs- und stoffwechselbezogene Erklärung.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈69 Jahre
Ungefähr akzeptiert
19. bis frühes 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1910er- bis 1930er-Jahre

Rachitis war in den dicht besiedelten Industriestädten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts besonders häufig. Betroffene Kinder lebten oft in dunklen, schlecht belüfteten Wohnungen, waren mangelernährt und litten zugleich häufig an Atemwegsinfektionen. Infektion, schlechte Luft und mangelhafte Hygiene wirkten deshalb wie plausible Ursachen.

Nach und nach gelang es, diese Begleitfaktoren von der eigentlichen Ursache zu trennen. Tierversuche zeigten, dass sich gestörte Knochenentwicklung über die Ernährung beeinflussen ließ, und Lebertran konnte Rachitis verhindern oder bessern.

Ebenso wichtig war Sonnenlicht. Kinder verbesserten sich unter ultravioletter Bestrahlung – ein Hinweis darauf, dass der Körper selbst einen entscheidenden Stoff unter Lichteinwirkung bilden konnte.

Dieser Stoff wurde als Vitamin D identifiziert. Vitamin D ist wesentlich für den Kalzium- und Phosphathaushalt und damit für die Mineralisierung – die Einlagerung von Mineralstoffen, durch die wachsende Knochen fest und belastbar werden.

Das neue Modell erklärte zugleich, warum Rachitis gerade in armen, verschmutzten nördlichen Industriestädten so häufig war: geringe Sonnenexposition, Luftverschmutzung und einseitige Ernährung konnten in denselben Bevölkerungsgruppen zusammenkommen, in denen auch Infektionen verbreitet waren.

Nicht jede Rachitis beruht ausschließlich auf Vitamin-D-Mangel. Auch Kalzium- oder Phosphatmangel, Malabsorption und bestimmte erbliche Stoffwechselstörungen können die Krankheit verursachen. Überholt ist die Vorstellung einer primär infektiösen Erkrankung.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

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