Keine Tatsache mehr

Die großen Meeresfischereien sind praktisch unerschöpflich, weil menschliche Fänge im Vergleich zur Menge der Fische unbedeutend sind.

Was wir heute wissen

Fischerei kann Meerespopulationen unter produktive Bestandsgrößen drücken, einzelne Bestände zum Zusammenbruch bringen, Nahrungsnetze verändern und lang anhaltende Rückgänge verursachen. Ob sich ein Bestand erholt, hängt von Biologie, Lebensraum, Umweltbedingungen und Bewirtschaftung ab.

Warum sich das änderte

Die enorme Ausdehnung und Fortpflanzungsleistung mariner Fischbestände veranlassten bedeutende Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts zu der Annahme, große Meeresfischereien könnten durch Fischfang nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Industrielle Fangflotten, Fangstatistiken, Bestandsbewertungen und wiederholte Zusammenbrüche zeigten, dass die fischereibedingte Sterblichkeit selbst im Maßstab ganzer Ozeanregionen die Reproduktion übersteigen kann.

Status
Widerlegt
Kategorie
Ökologie
Akzeptiert für
≈120 Jahre
Ungefähr akzeptiert
19. bis frühes 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
Mitte bis spätes 20. Jahrhundert

Die Ozeane erschienen dem 19. Jahrhundert nahezu grenzenlos. Große Fischarten produzierten enorme Mengen an Eiern, Schwärme erstreckten sich über riesige Gebiete und die damaligen Fangflotten wirkten klein gegenüber der Größe des Meeres.

Diese Größenverhältnisse führten selbst prominente Wissenschaftler zu sehr starken Schlussfolgerungen. Thomas Henry Huxley argumentierte 1883, dass große Hochseefischereien wie Kabeljau, Hering und Makrele mit den damaligen Methoden im Wesentlichen unerschöpflich seien.

Mit der Industrialisierung der Fischerei änderte sich jedoch die Größenordnung menschlicher Entnahme. Dampf- und später Motorschiffe, Sonar, Kühlung, große Netze und globale Flotten konnten Bestände systematisch über weite Gebiete verfolgen. Fangstatistiken und moderne Bestandsmodelle zeigten, dass die fischereibedingte Sterblichkeit die Reproduktion über längere Zeit deutlich übersteigen kann.

Wiederholte Zusammenbrüche – besonders eindrucksvoll bei manchen Kabeljau-, Hering- und anderen Beständen – machten sichtbar, dass auch sehr große Meerespopulationen stark dezimiert werden können. Die Folgen können Jahrzehnte anhalten und ganze Nahrungsnetze verändern.

Das bedeutet nicht, dass jede Fischerei zwangsläufig kollabiert. Nachhaltige Bewirtschaftung, Fangquoten, Schutzgebiete und günstige Umweltbedingungen können Bestände stabilisieren oder wiederaufbauen. Huxley selbst räumte zudem ein, dass bestimmte Flussfischereien und Muschelbänke erschöpft werden konnten. Widerlegt wurde die stärkere Annahme, die großen Meeresfischereien lägen grundsätzlich außerhalb menschlicher Wirkung.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • Inaugural Address, Fisheries Exhibition, LondonThomas Henry Huxley archive, Clark University

    Huxleys Rede von 1883 argumentiert ausdrücklich, dass große Kabeljau-, Hering-, Makrelen- und verwandte Meeresfischereien mit den damaligen Fangmethoden unerschöpflich seien.

Aktuelle Evidenz

  • The State of World Fisheries and AquacultureFood and Agriculture Organization of the United Nations

    Bietet globale Bewertungen ausgebeuteter, überfischter und nachhaltig bewirtschafteter Meeresbestände.

  • Status of Stocks ReportsNOAA Fisheries

    Erklärt moderne Bestandsbewertungen, die Feststellung von Überfischung und den Wiederaufbau dezimierter Fischbestände.

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