Keine Tatsache mehr

Säuglinge binden sich hauptsächlich deshalb an Betreuungspersonen, weil diese ihnen Nahrung geben.

Was wir heute wissen

Füttern ist ein Teil der Betreuung, doch Bindung umfasst ein breiteres Bedürfnis nach Sicherheit, Nähe, Trost und verlässlichem sozialem Kontakt.

Warum sich das änderte

Triebtheorien erklärten Zuneigung als etwas Erlerntes, weil eine Betreuungsperson Hunger stillte. Harlows Experimente mit Ersatzmüttern zeigten dagegen, dass junge Affen eine weiche und tröstende Bezugsperson stark bevorzugten, selbst wenn eine Drahtfigur die Milch bereitstellte.

Status
Abgelöst
Kategorie
Psychologie
Akzeptiert für
≈45 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1950er- bis 1960er-Jahre

Behavioristische und triebtheoretische Ansätze boten eine einfache Erklärung für die Bindung von Säuglingen: Hunger ist ein primärer biologischer Trieb, die Betreuungsperson liefert Nahrung, und Zuneigung entsteht als gelernte Verbindung mit der Person, die dieses Unbehagen beseitigt.

Harry Harlows Experimente mit Rhesusaffen trennten Füttern und Trost gezielt voneinander. Junge Affen konnten zwischen einer nackten Draht-Ersatzmutter, die Milch bereitstellte, und einer weich bezogenen Ersatzmutter wählen, die nicht unbedingt fütterte. Sie verbrachten deutlich mehr Zeit an der weichen Figur und suchten sie bei Angst als sicheren Zufluchtsort auf.

Damit ließ sich Kontaktkomfort schwer noch als bloßes Nebenprodukt des Fütterns erklären. Parallel betonten John Bowlbys Bindungstheorie und Mary Ainsworths Beobachtungen menschlicher Betreuungsperson-Kind-Beziehungen Nähe, Sicherheit und feinfühlige Reaktion als zentrale Bestandteile von Bindung.

Füttern bleibt natürlich ein Teil der Betreuung und kann soziale Bindung fördern. Überholt ist die engere Vorstellung, Bindung entstehe hauptsächlich als gelernte Belohnungsassoziation, weil eine bestimmte Person Kalorien liefert.

Harlows Experimente wurden an Affen und nicht an menschlichen Säuglingen durchgeführt; ihre Methoden werfen nach heutigen Maßstäben erhebliche ethische Probleme auf. Die heutige Forschung zur menschlichen Bindung stützt sich auf eine wesentlich breitere Grundlage entwicklungspsychologischer Beobachtungen und Studien.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Primärforschung

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

  • Attachment Security in InfancyPubMed Central

    Erklärt Belege dafür, dass Bindung über Füttern oder andere grundlegende körperliche Bedürfnisse hinausgeht.

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