Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügte die Geologie über starke Belege für frühere Meere, Gebirgsbildung und große vertikale Bewegungen der Erdkruste. Die meisten Geologen betrachteten Kontinente und Ozeanbecken horizontal dennoch als im Wesentlichen ortsfest.
Alfred Wegener stellte dieses Bild 1912 infrage. Die Passform der Kontinentalränder, übereinstimmende Fossilien und zusammengehörige geologische Strukturen auf gegenüberliegenden Seiten des Atlantiks deuteten darauf hin, dass die Kontinente einst verbunden gewesen waren und sich später getrennt hatten. Viele Geologen lehnten die Kontinentaldrift dennoch ab, weil Wegener keinen überzeugenden Mechanismus liefern konnte und sein Modell Kontinente scheinbar durch widerstandsfähige ozeanische Kruste pflügen ließ.
Die entscheidenden Belege kamen vom Meeresboden. Sonarkartierungen zeigten mittelozeanische Rücken; Modelle der Ozeanbodenspreizung schlugen vor, dass dort neue Kruste entsteht; magnetische Messungen fanden spiegelbildliche Streifen früherer Feldumpolungen auf beiden Seiten der Rücken; und die ozeanische Kruste wurde mit wachsendem Abstand zunehmend älter. Erdbeben- und Vulkangürtel zeichneten zugleich die Grenzen beweglicher Lithosphärenplatten nach.
In den 1960er-Jahren vereinte die Plattentektonik diese Beobachtungen. Kontinente bewegen sich, weil sie in größere tektonische Platten eingebettet sind – nicht weil sie unabhängig durch einen stationären Ozeanboden driften.
Plattenbewegung lässt sich heute direkt messen. Offen bleiben Detailfragen zum Beginn der Plattentektonik auf der frühen Erde und zu den relativen Beiträgen einzelner Antriebskräfte; das statische Erdmodell selbst ist jedoch nicht mehr haltbar.