Keine Tatsache mehr

Vögel haben kaum oder gar keinen Geruchssinn und verlassen sich fast vollständig auf Sehen und Hören.

Was wir heute wissen

Vögel unterscheiden sich stark in ihren olfaktorischen Fähigkeiten. Viele nutzen Gerüche zur Navigation, Nahrungssuche, Erkennung von Individuen und Nestern, zur Feinderkennung und zur Partnerwahl.

Warum sich das änderte

Das Verhalten von Vögeln ist visuell und akustisch auffällig, und viele Arten schnuppern nicht sichtbar. Lehrbücher behandelten Vögel daher als nahezu geruchsblind. Anatomische, verhaltensbiologische, genetische und Feldstudien zeigten jedoch funktionsfähige und mitunter hochentwickelte Geruchssysteme.

Status
Widerlegt
Kategorie
Zoologie
Akzeptiert für
≈115 Jahre
Ungefähr akzeptiert
19. Jahrhundert bis spätes 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1960er-Jahre bis heute

Vögel machen ihre Seh- und Hörleistungen spektakulär sichtbar: leuchtendes Gefieder, präziser Flug, komplexe Rufe und auffällige Reaktionen auf Landmarken. Außerdem schnuppern sie meist nicht auf die für Säugetiere typische Weise. Die klassische Zoologie behandelte den Geruchssinn deshalb häufig als schwach oder beinahe fehlend. Diese Verallgemeinerung hielt sich, obwohl Arten wie Kiwis, Sturmvögel und Geier schon früh darauf hindeuteten, dass manche Vögel Gerüche intensiv nutzen.

Experimente und Feldbeobachtungen machten die alte Regel zunehmend unhaltbar. Vögel besitzen funktionierende Riechkolben und Geruchsrezeptorgene, und verschiedene Arten verwenden Gerüche, um Nahrung zu finden, über lange Strecken zu navigieren, Nester und Individuen wiederzuerkennen, Feinde wahrzunehmen oder die Partnerwahl zu beeinflussen. Größe und Bedeutung des olfaktorischen Systems unterscheiden sich innerhalb der Klasse erheblich.

Die Korrektur lautet also nicht, jeder Vogel habe die Nase eines Spürhundes. Sie lautet, dass „Vögel können kaum riechen“ als pauschale Regel schlecht war – und teilweise daraus entstand, wie Menschen ihr Verhalten beobachteten.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

  • Pheromones in birds: myth or reality?PubMed Central

    Erklärt, warum das Fehlen offensichtlichen Schnupperns und die starke Betonung von Sehen und Hören die Annahme eines schlechten Geruchssinns förderten.

Aktuelle Evidenz

Weitere Einträge

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