Keine Tatsache mehr

Edelgase sind vollständig inert und können keine stabilen chemischen Verbindungen bilden.

Was wir heute wissen

Edelgase sind gewöhnlich sehr reaktionsträge, doch einige können stabile Verbindungen bilden. Xenon besitzt die vielfältigste Chemie; unter geeigneten Bedingungen sind auch Verbindungen mit Krypton, Radon und Argon bekannt.

Warum sich das änderte

1962 stellte Neil Bartlett die erste anerkannte Edelgasverbindung her. Das Ergebnis zeigte, dass eine voll besetzte äußere Elektronenschale Reaktionen erschwert, aber nicht unmöglich macht.

Status
Widerlegt
Kategorie
Chemie
Akzeptiert für
≈67 Jahre
Ungefähr akzeptiert
1890er-Jahre bis 1962
Ungefähr geändert
1962 und danach

Der Ruf der Edelgase als chemisch „inert“ beruhte auf sehr guten Beobachtungen. Helium, Neon, Argon, Krypton, Xenon und Radon besitzen besonders stabile Elektronenkonfigurationen und reagierten unter gewöhnlichen Laborbedingungen kaum mit anderen Elementen.

Aus dieser außergewöhnlich geringen Reaktivität wurde mit der Zeit eine absolute Regel: Eine voll besetzte Außenschale mache chemische Bindungen grundsätzlich unmöglich.

Neil Bartlett stellte diese Grenze 1962 infrage. Er hatte beobachtet, dass Platinhexafluorid sogar Sauerstoff oxidieren konnte, und erkannte, dass Xenon eine vergleichbare Ionisierungsenergie besitzt. Die daraufhin hergestellte Xenon-Verbindung zeigte, dass auch ein Edelgas unter geeigneten Bedingungen chemisch gebunden werden kann.

Kurz danach entwickelte sich eine umfangreichere Xenonchemie mit Fluoriden, Oxiden und weiteren Verbindungen; später wurden auch Verbindungen anderer schwererer Edelgase bekannt.

Damit wurden Edelgase nicht plötzlich zu gewöhnlich reaktiven Elementen. Helium und Neon sind weiterhin außerordentlich reaktionsträge, und selbst Xenon reagiert nur unter bestimmten Bedingungen mit geeigneten Partnern. Korrigiert wurde das Wort vollständig: Eine stabile Außenschale macht Reaktionen schwierig, nicht prinzipiell unmöglich.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

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