Keine Tatsache mehr

Menschen besitzen ein Rete mirabile, ein Gefäßnetz an der Basis des Gehirns, wie es Galen beschrieben hatte.

Was wir heute wissen

Ein echtes karotides Rete mirabile kommt bei einigen Tierarten vor, gehört aber nicht zur normalen menschlichen Anatomie.

Warum sich das änderte

Vesalius verglich menschliche und tierische Sektionen und verwarf 1543 ausdrücklich das Rete mirabile als normale menschliche Struktur, während er dieselbe Struktur bei Schafen demonstrierte.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈1 393 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Galenische Anatomie vom 2. Jahrhundert bis zur Renaissance
Ungefähr geändert
1543

Dies ist beinahe ein Musterbeispiel für die Gefahr, Tieranatomie auf den Menschen zu übertragen.

Galens anatomisches System enthielt ein Rete mirabile, ein dichtes Gefäßnetz an der Basis des Gehirns. Solche Netze gibt es bei manchen Säugetieren tatsächlich. Menschliche Sektionen waren in Galens Umfeld stark eingeschränkt, sodass Befunde aus Tieren in Beschreibungen des menschlichen Körpers gelangen und anschließend enorme Autorität als überlieferter Text gewinnen konnten.

Der Fehler hielt sich bis in die Anatomie der Renaissance. Frühe gedruckte anatomische Abbildungen zeigten das Rete noch im menschlichen Kopf.

Andreas Vesalius ging 1543 besonders überzeugend vor. Er verwarf das Rete mirabile beim Menschen aufgrund von Sektionen, sezierte aber zugleich Schafe und zeigte, dass er die Struktur sehr wohl finden konnte, wenn er ein Tier untersuchte, das sie tatsächlich besitzt. Dadurch ließ sich die Abweichung kaum noch mit schlechter Technik oder dem Übersehen eines feinen Gefäßes erklären.

Die moderne Anatomie kennt kein normales menschliches karotides Rete mirabile. Seltene krankhafte Kollateralgefäße können oberflächlich „rete-artig“ aussehen, sind aber nicht die normale tierische Struktur, die in der galenischen Tradition beschrieben wurde.

Die entscheidenden Belege kamen aus vergleichender Anatomie, die wie ein Kontrollexperiment eingesetzt wurde.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

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