Keine Tatsache mehr

Die menschliche Evolution verlief wie eine einzige gerade Leiter, auf der eine Art die nächste ersetzte.

Was wir heute wissen

Die Evolution des Menschen gleicht einem verzweigten Stammbaum und keiner einzelnen Leiter. Mehrere Homininenarten lebten häufig gleichzeitig, viele Linien starben aus, ohne direkte Vorfahren des Menschen zu werden, und einige spätere Zweige kreuzten sich miteinander.

Warum sich das änderte

Der frühe Fossilbericht war so lückenhaft, dass sich wenige berühmte Funde leicht als aufeinanderfolgende Stufen zum modernen Menschen anordnen ließen. Mit mehr Fossilien zeigte sich, dass Arten zeitlich überlappten und unterschiedliche Merkmalskombinationen besaßen. Genetische Daten belegten später außerdem Vermischung zwischen einigen Zweigen.

Status
Abgelöst
Kategorie
Menschliche Evolution
Akzeptiert für
≈95 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Spätes 19. bis spätes 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
Spätes 20. Jahrhundert bis heute

Das vertraute Bild vom „Marsch des Fortschritts“ zeigt menschliche Evolution wie eine Reihe hintereinander laufender Figuren: Eine affenähnliche Form wird Schritt für Schritt aufrechter und menschlicher, bis am Ende Homo sapiens steht.

Die Evolutionstheorie selbst verlangte eine solche Leiter nicht. Der frühe Fossilbericht war jedoch so lückenhaft, dass sich wenige berühmte Funde leicht in eine solche Abfolge einordnen ließen, und Lehrbücher sowie Museumsausstellungen verstärkten dieses Bild.

Mit immer mehr Fossilien zerfiel die saubere Reihenfolge.

Verschiedene Homininenarten lebten häufig gleichzeitig, teilweise über Hunderttausende Jahre. Manche besaßen große Gehirne und zugleich andere ursprüngliche Merkmale; andere kombinierten ihre Eigenschaften auf ganz andere Weise. Viele Zweige endeten eindeutig, ohne direkte Vorfahren moderner Menschen zu werden.

Als Homininen bezeichnet man Menschen und jene ausgestorbenen Arten, die näher mit uns als mit Schimpansen verwandt sind. Ihre Geschichte ähnelt eher einem verzweigten Busch als einer Leiter.

Die Genetik machte das Bild noch weniger linear. Neandertaler, Denisova-Menschen und einige Populationen von Homo sapiens kreuzten sich miteinander, sodass getrennte Zweige später wieder Gene austauschen konnten.

Das bedeutet nicht, dass alle Verwandtschaftsverhältnisse unbekannt wären oder niemals eine Art aus einer anderen hervorging. Die Korrektur betrifft die Einbahnstraße: Menschliche Evolution bestand aus gleichzeitig lebenden Zweigen, Seitenlinien, Aussterben und teilweise auch Vermischung.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Aktuelle Evidenz

  • Human FossilsSmithsonian Human Origins Program

    Erklärt, dass der menschliche Stammbaum viele Äste besitzt und mehrere frühe Menschenarten zeitweise gleichzeitig lebten.

  • Introduction to Human EvolutionSmithsonian Human Origins Program

    Fasst die Vielfalt bekannter früher Menschenarten und die anhaltende Debatte über ihre genauen Beziehungen zusammen.

Weitere Einträge

Oder ganz woanders: