Keine Tatsache mehr

Jede Zelle im Körper eines Menschen enthält exakt dieselbe DNA-Sequenz.

Was wir heute wissen

Die Zellen eines Menschen gehen von einer befruchteten Eizelle aus, sammeln bei ihren Teilungen aber Mutationen an. Dadurch entsteht somatischer Mosaizismus: genetisch unterschiedliche Zelllinien innerhalb desselben Körpers.

Warum sich das änderte

Die klassische Genetik behandelte ein untersuchtes Genom weitgehend als Genom des gesamten Individuums, abgesehen von Krebs und seltenen Chromosomenstörungen. Hochauflösende und Einzelzell-Sequenzierung zeigte weit verbreitete postzygotische Variation in gesundem Gewebe.

Status
Korrigiert
Kategorie
Genetik
Akzeptiert für
≈62 Jahre
Ungefähr akzeptiert
20. Jahrhundert bis frühe 2000er-Jahre
Ungefähr geändert
2000er-Jahre bis heute

Weil nahezu jede Körperzelle von derselben befruchteten Eizelle abstammt, arbeitete die Genetik lange mit einer sehr nützlichen Vereinfachung: ein Mensch, ein Genom. Blut oder anderes leicht zugängliches Gewebe konnte untersucht und als repräsentativ für die DNA im gesamten Körper behandelt werden – abgesehen von offensichtlichen Ausnahmen wie Krebs oder großen Chromosomenveränderungen.

Doch jede Zellteilung ist eine weitere Gelegenheit für DNA-Veränderungen. Mutationen, die erst nach der Befruchtung entstehen, werden nur an die Nachkommen der jeweiligen Zelle weitergegeben. Dadurch entstehen Zellgruppen oder Zelllinien mit leicht unterschiedlichen Genomen. Das nennt man somatischen Mosaizismus.

Lange blieb ein großer Teil dieser Variation unsichtbar, weil Standardsequenzierungen DNA aus Millionen Zellen mitteln. Hochauflösende und Einzelzellverfahren machten es möglich, seltene Mutationen nachzuweisen und genetisch verschiedene Zelllinien selbst in gesundem Gewebe zu rekonstruieren – unter anderem in Gehirn, Haut und Blut.

Die Zellen eines Menschen sind genetisch weiterhin überwiegend sehr ähnlich, weshalb gewöhnliche Gentests funktionieren. Die Unterschiede betreffen meist nur einen winzigen Teil des gesamten Genoms und sind häufig harmlos.

Die Korrektur betrifft deshalb das Wort exakt. Ein menschlicher Körper besteht nicht aus Milliarden vollkommen identischer DNA-Kopien, sondern aus einem verwandten genetischen Mosaik, dessen Zellen im Lauf von Entwicklung und Alterung unterschiedliche Mutationen ansammeln.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

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