Keine Tatsache mehr

Diethylstilbestrol verhindert Fehlgeburten und andere Schwangerschaftskomplikationen sicher.

Was wir heute wissen

DES verhindert Fehlgeburten nicht. Eine vorgeburtliche Exposition kann seltene klarzellige Karzinome und Fortpflanzungsanomalien bei exponierten Töchtern sowie weitere gesundheitliche Folgen bei exponierten Kindern verursachen.

Warum sich das änderte

DES wurde seit den 1940er-Jahren trotz schwacher Evidenz verschrieben. Eine kontrollierte Studie zeigte keinen Nutzen, und eine Fallserie von 1971 verband einen ansonsten seltenen Vaginalkrebs bei jungen Frauen mit vorgeburtlicher DES-Exposition. Das führte zu Warnungen und zum Ende des Einsatzes in der Schwangerschaft.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈26 Jahre
Ungefähr akzeptiert
1940er-Jahre bis 1971
Ungefähr geändert
1953 bis 1971

DES war ein stark wirksames synthetisches Östrogen. Seit den 1940er-Jahren verschrieben Ärzte es Schwangeren in der Hoffnung, hormonelle Unterstützung könne Fehlgeburten und andere Komplikationen verhindern. Die Behandlung verbreitete sich, bevor überzeugende kontrollierte Studien überhaupt gezeigt hatten, dass sie wirkte.

Schon früh wurde die Evidenz unbequem. Eine 1953 veröffentlichte randomisierte Studie fand, dass DES Fehlgeburten und die anderen Schwangerschaftsprobleme, gegen die es eingesetzt wurde, nicht verhinderte. Trotzdem wurde das Medikament noch jahrelang weitergegeben – auch weil sich etablierte medizinische Praxis oft langsamer ändert als die zugrunde liegende Evidenz.

Der entscheidende Sicherheitsschock kam 1971. Ärzte berichteten über eine ungewöhnliche Häufung des klarzelligen Adenokarzinoms, einer seltenen Krebsart aus drüsenähnlichen Zellen, in der Vagina sehr junger Frauen. Als auffälliger gemeinsamer Faktor erwies sich die DES-Exposition vor der Geburt. Spätere Forschung dokumentierte weitere reproduktive und gesundheitliche Folgen, und Behörden warnten schließlich vor der Anwendung in der Schwangerschaft.

Der Fall vereinte damit zwei verschiedene Fehler: Das Medikament war für den vorgesehenen präventiven Zweck unwirksam, und ein Teil seiner Schäden zeigte sich erst Jahre später bei den vorgeburtlich exponierten Kindern.

DES wurde auch außerhalb der Schwangerschaft eingesetzt, unter anderem begrenzt in der Krebstherapie. Die meisten pränatal exponierten Menschen entwickeln keinen klarzelligen Krebs. Korrigiert wird speziell die frühere Annahme, der Einsatz in der Schwangerschaft sei sowohl wirksam als auch hinreichend sicher.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Primärforschung

Aktuelle Evidenz

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