Keine Tatsache mehr

Natürliche Hintergrundstrahlung ist eine wichtige Quelle der spontanen Mutationen, die Evolution antreiben.

Was wir heute wissen

Ionisierende Strahlung kann DNA zweifellos mutieren, doch bei normaler Hintergrundstrahlung ist ihr Beitrag zur spontanen Mutationsrate offenbar klein. In einem Lenski-ähnlichen E.-coli-Experiment unter 1.700 m Fels sank die absorbierte Dosisleistung von 214 auf 26 nGy pro Stunde, ohne dass sich die Anpassung über 500 Generationen messbar verlangsamte. Replikationsfehler und körpereigene DNA-Chemie liefern auch ohne nennenswerte Umgebungsstrahlung reichlich Mutationen; extrem niedrige Strahlungsniveaus können die Zellphysiologie trotzdem beeinflussen.

Warum sich das änderte

Nachdem Röntgenstrahlung als Mutationsauslöser erkannt worden war, erschien die allgegenwärtige Strahlung aus kosmischen Teilchen, Gestein, Baumaterialien und Radioisotopen im Körper als plausible natürliche Quelle evolutionärer Variation. An Gewicht verlor die Idee, als Dosimetrie und Mutationsbiologie die Größenordnungen sichtbar machten: Kleine Zellen werden von Hintergrundstrahlung viel seltener getroffen, als Mutationen entstehen, während Replikation und zelleigene Chemie fortlaufend neue Mutationen erzeugen. Ein 500-Generationen-Experiment mit E. coli unter Tage prüfte die Vorhersage schließlich direkt und fand keine messbare Verlangsamung der Anpassung.

Status
Eingeschränkt
Kategorie
Evolution
Akzeptiert für
Nicht quantifiziert
Ungefähr akzeptiert
1940er- bis 1950er-Jahre
Ungefähr geändert
2010er-Jahre

Hermann J. Muller zeigte 1927, dass Röntgenstrahlung vererbbare Mutationen bei Fruchtfliegen erhöhen kann. Nachdem Strahlung als Mutationsauslöser bekannt war, erschien auch die ständig vorhandene Strahlung aus kosmischen Teilchen, Gestein, Baumaterialien und Radioisotopen im Körper als plausible natürliche Quelle evolutionärer Variation. 1956 kam das BEAR-Genetikkomitee der US-amerikanischen National Academy of Sciences zu dem Schluss, Hintergrundstrahlung liefere genügend Mutationen für evolutionäre Zwecke.

Strahlung verursacht tatsächlich Mutationen, doch spätere Arbeiten zeigten ein Größenordnungsproblem. Für ein E.-coli-Experiment wurden an der Oberfläche etwa 6 × 10^-5 Strahlungstreffer pro Zelle und Tag berechnet, also ungefähr ein Treffer auf 17.000 Zellen. Die erwartete Punktmutationsrate lag etwa hundertmal höher. Replikationsfehler, spontane DNA-Chemie, reaktive Moleküle und unvollständige Reparatur erzeugen Mutationen wesentlich häufiger.

Die evolutionäre Vorhersage wurde anschließend direkt getestet. Forschende ließen 24 E.-coli-Populationen 500 Generationen lang entweder an der Oberfläche oder im Modane-Untergrundlabor unter 1.700 m Fels evolvieren. Die absorbierte Dosisleistung sank von 214 auf 26 nGy pro Stunde, also um den Faktor 6,8. In beiden Umgebungen nahm die Fitness zu; es gab keinen statistisch signifikanten Hinweis darauf, dass sich die Populationen bei niedriger Strahlung langsamer anpassten.

Sehr niedrige Strahlungsniveaus können die Zellphysiologie trotzdem beeinflussen. Andere Mikroben zeigen bei stark verringerter Hintergrundstrahlung Veränderungen von Wachstum, Stressreaktionen und Genexpression. Die engere Korrektur betrifft die Mutationsversorgung: Normale Hintergrundstrahlung kann DNA schädigen, scheint aber zu selten zu sein, um einen wichtigen Anteil der spontanen Mutationen für Evolution zu liefern.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Historischer Kontext

  • Hermann J. Muller — FactsNobel Prize Outreach

    NobelPrize.org dokumentiert Mullers Entdeckung von 1927, dass Röntgenstrahlung die Mutationshäufigkeit bei Fruchtfliegen erhöht, sowie den Nobelpreis von 1946 für die Erzeugung von Mutationen durch Röntgenbestrahlung.

Frühere Auffassung

  • The Academy in the Fifties — Beginnings of the Space AgeNational Academy of Sciences

    Die historische Darstellung der National Academy of Sciences dokumentiert Mullers Ansicht von 1941, natürliche Radioaktivität könne die Mutationshäufigkeit merklich beeinflussen, sowie die Schlussfolgerung des BEAR-Genetikkomitees von 1956, Hintergrundstrahlung liefere genügend Mutationen für evolutionäre Zwecke.

Aktuelle Evidenz

Primärforschung

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