Keine Tatsache mehr

Der Amazonas-Regenwald war im gesamten Becken weitgehend eine Netto-Kohlenstoffsenke.

Was wir heute wissen

Der Amazonas ist keine einheitliche Kohlenstoffsenke. Flugzeugmessungen zeigten, dass der Südosten Amazoniens in den 2010er-Jahren zu einer Netto-Kohlenstoffquelle wurde, während die Bilanz des gesamten Beckens weiterhin unsicher und methodenabhängig ist.

Warum sich das änderte

Studien auf Beckenebene hatten bereits gezeigt, dass die Kohlenstoffsenke schwächer wurde. Regionale Atmosphärenmessungen machten dann einen deutlichen Ost-West-Unterschied sichtbar; der Südosten war besonders stark von Entwaldung, Erwärmung und Trockenstress betroffen.

Status
Eingeschränkt
Kategorie
Umweltwissenschaften
Akzeptiert für
Nicht quantifiziert
Ungefähr akzeptiert
Spätes 20. Jahrhundert–2021
Ungefähr geändert
2021

Über Jahrzehnte wurde der Amazonas als eine der großen Kohlenstoffsenken der Erde beschrieben. Seine Wälder nehmen Kohlendioxid auf und speichern Kohlenstoff in Holz, Wurzeln und Böden. Damit bremsen sie den Anstieg von CO₂ in der Atmosphäre.

Schon Mitte der 2010er-Jahre war klar, dass diese Senke schwächer wurde. Eine Studie von 2015 über Hunderte Waldflächen kam noch zu dem Ergebnis, dass die Amazonaswälder insgesamt mehr Kohlenstoff aufnahmen als abgaben. Die Aufnahme ging jedoch zurück, während die Baumsterblichkeit zunahm.

2021 wurde das regionale Bild deutlich schärfer. Forschende werteten 590 Flugzeugprofile aus, die zwischen 2010 und 2018 über vier Teilen Amazoniens aufgenommen worden waren. Besonders auffällig war der Südosten: Dort wurde netto Kohlenstoff freigesetzt, und auch der Osten insgesamt schnitt schlechter ab als der Westen. Zugleich waren Entwaldung, Erwärmung und Trockenstress im Südosten besonders stark.

Das bedeutet nicht, dass der gesamte Amazonas eindeutig zu einer Kohlenstoffquelle geworden ist. Eine Synthese von 2024 zeigte weiterhin Unterschiede zwischen den Methoden: Manche ergeben für das ganze Becken eine kleine Netto-Senke, andere eine kleine Netto-Quelle. Für den Südosten war das Ergebnis wesentlich eindeutiger.

Die ältere Kurzformel behandelte den Amazonas zu sehr als einheitliches System. Große intakte Waldgebiete speichern und binden weiterhin enorme Mengen Kohlenstoff, doch in Teilen des Beckens hat sich die Bilanz bereits in die andere Richtung verschoben.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • Long-term decline of the Amazon carbon sinkNature

    Eine Analyse von 321 Waldflächen bestätigte 2015, dass Amazonaswälder langfristig als Netto-Biomassesenke gewirkt hatten, zeigte aber zugleich einen deutlichen Rückgang der Kohlenstoffaufnahme.

Primärforschung

Aktuelle Evidenz

Weitere Einträge

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