Keine Tatsache mehr

Gene bestehen aus Proteinen, weil Proteine komplex genug sind, um Erbinformation zu tragen, während DNA lediglich ein strukturelles Gerüst ist.

Was wir heute wissen

DNA ist das Erbmaterial zellulärer Organismen und vieler Viren. Ihre Nukleotidsequenz speichert genetische Information, während Proteine viele der durch diese Information codierten Funktionen ausführen.

Warum sich das änderte

Avery, MacLeod und McCarty zeigten 1944, dass aus Bakterien gereinigte DNA ein erbliches Merkmal übertragen konnte und dass die Zerstörung von DNA, nicht aber von Protein, diese Transformationsfähigkeit beseitigte. Spätere Experimente mit Bakteriophagen stärkten diese Schlussfolgerung.

Status
Widerlegt
Kategorie
Genetik
Akzeptiert für
≈29 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Frühes 20. Jahrhundert bis 1940er-Jahre
Ungefähr geändert
1944 bis 1950er-Jahre

Proteine wirkten zunächst wie die naheliegenden Träger der Erbinformation. Sie bestehen aus vielen unterschiedlichen Aminosäuren, können sehr komplexe Strukturen bilden und übernehmen unzählige Funktionen in Zellen. DNA erschien dagegen chemisch auffallend schlicht – ein Polymer aus nur vier Nukleotidbausteinen.

Für viele Genetiker war deshalb schwer vorstellbar, dass gerade DNA genügend Information für die Vielfalt des Lebens speichern sollte.

Avery, MacLeod und McCarty untersuchten das Problem anhand der bakteriellen Transformation. Sie reinigten den Stoff aus Streptococcus pneumoniae, der ein erbliches Merkmal von einem Bakterienstamm auf einen anderen übertragen konnte, und zerstörten anschließend gezielt verschiedene Molekülklassen.

Wurde Protein abgebaut, blieb die Transformationsfähigkeit erhalten. Wurde dagegen DNA zerstört, verschwand sie.

Das Ergebnis von 1944 war entscheidend, setzte sich aber nicht augenblicklich durch. Einige Forschende vermuteten Verunreinigungen oder hielten Proteine weiterhin für den plausibleren Informationsträger. Spätere Bakteriophagenexperimente und die Aufklärung der DNA-Struktur machten die Schlussfolgerung zunehmend zwingend.

Heute gilt DNA als Erbmaterial zellulärer Organismen und vieler Viren. Einige Viren besitzen allerdings RNA-Genome. Die historische Korrektur betrifft daher die damalige Protein-versus-DNA-Frage in der Zellgenetik, nicht die Behauptung, jede Form biologischer Vererbung müsse aus DNA bestehen.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

  • Heredity, Genes, and DNANCBI Bookshelf

    Erklärt die experimentellen Belege, die DNA als genetisches Material etablierten, sowie die spätere Bestätigung durch Bakteriophagenexperimente.

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