Keine Tatsache mehr

Lebende Organismen wie Mikroben können unter gewöhnlichen heutigen Bedingungen regelmäßig spontan aus unbelebter Materie entstehen.

Was wir heute wissen

Mikroorganismen, die in verrottendem oder gärendem Material auftreten, stammen von bereits vorhandenen Organismen oder deren Sporen. Gewöhnliche biologische Fortpflanzung folgt dem Prinzip der Biogenese.

Warum sich das änderte

Kontrollierte Experimente schlossen schrittweise verborgene Kontaminationsquellen aus. Pasteurs Schwanenhalskolben ließen Luft in sterilisierte Nährlösung, hielten aber Staub und Mikroben zurück; die Flüssigkeit blieb steril, bis eine Kontamination stattfand.

Status
Widerlegt
Kategorie
Biologie
Akzeptiert für
≈2 211 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Klassische Antike bis 19. Jahrhundert
Ungefähr geändert
17. bis 19. Jahrhundert

Aristoteles gab der Urzeugung einen systematischen Platz in seiner Biologie; sie war weit mehr als eine vage antike Intuition. In der Historia animalium beschrieb er einige Insekten, Schalentiere, Aale und Fische als aus Schlamm, Sand, verrottendem Material oder anderen Stoffen entstehend, ohne Eltern zu besitzen. In einer besonders deutlichen Passage argumentierte er, bestimmte Fische kämen „spontan ins Dasein“, statt aus Eiern oder Paarung hervorzugehen.

Damit war die Urzeugung Teil eines größeren Erklärungsmodells: Organismen konnten sich gewöhnlich fortpflanzen, manche Lebensformen sollten aber direkt aus geeigneter Materie entstehen. Aristoteles’ biologische und naturphilosophische Schriften wurden später außerordentlich einflussreich. Nachdem Übersetzungen seines Werks im mittelalterlichen Europa zirkulierten, wurde aristotelische Naturphilosophie zentral für die universitäre Lehre. So blieben antike Fragen und Erklärungsrahmen aktive Gegenstände der Wissenschaft statt bloße historische Kuriositäten.

Die Lehre wurde mehrfach eingeschränkt, bevor sie endgültig zusammenbrach. Francesco Redi stellte im 17. Jahrhundert die spontane Entstehung größerer Tiere infrage; im 18. Jahrhundert stritten Needham und Spallanzani über Mikroorganismen. Im 19. Jahrhundert verteidigte Félix Pouchet die Urzeugung weiterhin, während Louis Pasteur sie bekämpfte. Pasteurs Schwanenhalskolben halfen zu zeigen, dass sterilisierte Nährlösung steril blieb, solange luftgetragene Kontamination ausgeschlossen war.

Diese Geschichte betrifft das wiederholte Auftreten von Organismen unter gewöhnlichen heutigen Bedingungen. Sie beantwortet nicht die separate Frage nach dem Ursprung des Lebens und danach, wie die ersten selbstreplizierenden Systeme auf der frühen Erde entstanden.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • The middle years 1862–1877Institut Pasteur

    Stellt fest, dass Urzeugung in wissenschaftlichen Kreisen weit verbreitet war, und beschreibt Pasteurs Schwanenhalskolben-Experimente.

  • History of Animals, Book VAristotle

    Primärtext, in dem Tiere und Schalentiere als spontan aus faulendem Material, Erde oder Schlamm entstehend beschrieben werden.

  • History of Animals, Book VIAristotle

    Primärtext, der ausdrücklich behauptet, bestimmte Fische entstünden spontan aus Schlamm, Sand und verrottendem Material.

Historischer Kontext

  • Louis Pasteur: a universal legacyInstitut Pasteur

    Erklärt, dass viele Menschen an spontane Entstehung von Leben aus unbelebter Materie glaubten, und fasst Experimente zusammen, die diese Vorstellung widerlegten.

  • Medieval Philosophy: University PhilosophyStanford Encyclopedia of Philosophy

    Erklärt, wie die übersetzten Werke des Aristoteles zentraler Bestandteil des mittelalterlichen universitären Arts-Curriculums wurden.

Weitere Einträge

Oder ganz woanders: