Die alte Regel war Teil von Aristoteles’ umfassenderer Theorie der natürlichen Bewegung. Erdige und wässrige Körper sollten sich von Natur aus zum Mittelpunkt des Kosmos bewegen, Luft und Feuer dagegen nach oben. In seiner Physik argumentierte Aristoteles, dass ein Körper mit größerem Gewicht unter sonst gleichen Bedingungen schneller durch ein widerstehendes Medium bewegt werde. Fallgeschwindigkeit ergab sich damit aus dem Gewicht des Körpers und aus der Dichte des Mediums.
Das war keine einzelne Vermutung, die Gelehrte zwei Jahrtausende lang unverändert wiederholten. Aristoteles’ Physik war ein Rahmen, an dem weitergearbeitet und gestritten wurde. Mittelalterliche Naturphilosophen kritisierten, veränderten und erweiterten Teile davon; Diskussionen über Wurfbewegung und Impetus sind gute Beispiele. Als Aristoteles’ naturphilosophische Werke in die mittelalterlichen Universitäten gelangten, wurde seine Physik dennoch zu einem der zentralen Texte für das Studium von Bewegung.
Der frühneuzeitliche Wandel war deshalb methodisch ebenso wichtig wie numerisch. Galileo idealisierte den freien Fall, arbeitete mit schiefen Ebenen und mathematischen Beziehungen und trennte die Bewegung fallender Körper von den alltäglichen Effekten des Luftwiderstands. Im Vakuum besitzen Körper unterschiedlicher Masse dieselbe Gravitationsbeschleunigung; Unterschiede in normaler Luft entstehen meist durch Widerstand, Form und Auftrieb.
Die lange Lebensdauer dieser Vorstellung erinnert daran, dass eine alte Theorie intellektuell produktiv bleiben kann, während einzelne Teile bereits angegriffen werden. Mittelalterliche Kritik an Aristoteles half sogar dabei, begriffliche Werkzeuge zu entwickeln, mit denen man später über ihn hinausgehen konnte.