Keine Tatsache mehr

Alle Lebewesen lassen sich natürlich in fünf Reiche einordnen: Tiere, Pflanzen, Pilze, Protisten und Moneren.

Was wir heute wissen

Das Fünf-Reiche-System – Tiere, Pflanzen, Pilze, Protisten und Monera – bildet nicht alle wichtigen evolutionären Verwandtschaften korrekt ab. DNA- und RNA-Vergleiche zeigten, dass die früher gemeinsam als Monera geführten Organismen zwei sehr unterschiedliche Linien umfassen, Bakterien und Archaeen, während „Protista“ viele weit voneinander entfernte Äste enthält.

Warum sich das änderte

Die fünf Reiche beruhten vor allem auf Zellbau, Ernährungsweise und sichtbaren Merkmalen. Die molekulare Phylogenie – die Rekonstruktion von Abstammung durch den Vergleich von DNA- oder RNA-Sequenzen – machte Beziehungen sichtbar, die diese Merkmale verdeckt hatten. Archaeen trennten sich von Bakterien, und die Protisten zerfielen in zahlreiche evolutionär verschiedene Gruppen.

Status
Abgelöst
Kategorie
Evolution
Akzeptiert für
≈9 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Späte 1960er- bis 1990er-Jahre
Ungefähr geändert
1970er-Jahre bis heute

Robert Whittakers Fünf-Reiche-System war eine deutliche Verbesserung gegenüber älteren Klassifikationen. Tiere, Pflanzen und Pilze wurden voneinander getrennt, während die meisten Organismen ohne Zellkern in Monera und viele andere überwiegend mikroskopische Organismen in Protista eingeordnet wurden.

Bis zum späten 20. Jahrhundert wurde dieses Modell zu einer Standarddarstellung des Lebens in vielen Lehrbüchern.

Das Problem: Ähnliches Aussehen bedeutet nicht immer nahe evolutionäre Verwandtschaft. Forschende begannen zunehmend, stattdessen DNA- und RNA-Sequenzen zu vergleichen. Weil verwandte Organismen solche Sequenzen von gemeinsamen Vorfahren erben, lassen sich aus Ähnlichkeiten und Unterschieden Stammbäume rekonstruieren. Dieser Ansatz heißt molekulare Phylogenie.

Das alte Reich Monera zerfiel grundlegend. Organismen ohne Zellkern, die zuvor gemeinsam als Bakterien behandelt worden waren, gehörten tatsächlich zu zwei tief getrennten Linien: Bakterien und Archaeen.

Auch Protista erwies sich als keine einheitliche Abstammungsgruppe. Das Reich hatte als Sammelbecken für viele Organismen gedient, die weder Tiere, Pflanzen noch Pilze waren. Molekulare Stammbäume zeigten jedoch, dass sie zu zahlreichen unterschiedlichen Ästen gehören.

Moderne Klassifikationen verwenden deshalb drei Domänen – Bakterien, Archaeen und Eukaryoten – sowie mehrere große Gruppen innerhalb der Eukaryoten. Eine einzige zwingende Zahl von Reichen gibt es heute nicht. Entscheidend ist, dass die fünf alten Reiche den evolutionären Stammbaum nicht sauber abbilden.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • Five Kingdoms, More or LessBioScience

    Stellt fest, dass Whittakers Fünf-Reiche-System in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Standard in Biologielehrbüchern war.

Historischer Kontext

  • Renewing Linnaean taxonomyBiological Reviews

    Beschreibt das Fünf-Reiche-System als einflussreich, heute aber weitgehend aufgegeben, weil molekulare Daten seine Gruppen aufteilten.

Aktuelle Evidenz

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