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Institutionelle Überzeugung · Education and language

Gebärdensprache als schädlich für die Bildung gehörloser Kinder

Gebärdensprache wurde als schädlich für Sprechentwicklung, Lippenlesen und geistige Entwicklung gehörloser Kinder behandelt; dadurch wurde reine Lautspracherziehung institutionell zur bevorzugten Unterrichtsmethode.

1 Episode

Heutiger Wissensstand

Heutiger Wissensstand

Natürliche Gebärdensprachen sind vollwertige menschliche Sprachen und können gehörlosen Kindern vollständig zugänglichen sprachlichen Input bieten. Bei frühem Zugang werden sie in denselben grundlegenden Entwicklungsschritten wie Lautsprachen erworben. Die Evidenz stützt nicht die Annahme, dass Gebärdenspracherwerb die Entwicklung gesprochener Sprache grundsätzlich behindert; ein verzögerter Zugang zu einer zugänglichen Erstsprache kann dagegen Sprachdeprivation verursachen. Bildungs- und Kommunikationswege sollten am einzelnen Kind ausgerichtet sein, statt eine einzige Modalität vorzuschreiben.

Folgen und menschliche Auswirkungen

Folgen und menschliche Auswirkungen

Der Mailänder Kongress von 1880 verlieh der reinen Lautspracherziehung internationale fachliche Autorität, indem er Artikulation gegenüber Gebärden für überlegen erklärte und die gleichzeitige Verwendung von Gebärden als schädlich für Sprechen, Lippenlesen und die „Präzision der Vorstellungen“ darstellte. Die Resolutionen wirkten auf Bildungssysteme für Gehörlose ein und trugen zur Verdrängung und Abwertung von Gebärdensprachen und gehörlosen Lehrkräften bei. 2010 wies der International Congress on the Education of the Deaf die Mailänder Resolutionen formell zurück.

Wie daraus Folgen entstanden

Der Mailänder Kongress erließ selbst kein weltweites gesetzliches Verbot von Gebärdensprache. Seine Bedeutung lag in der fachlichen und institutionellen Autorität seiner Resolutionen, auf die sich später zahlreiche Bildungssysteme für Gehörlose stützten.

Das Endjahr 2010 bezeichnet die formelle Zurückweisung der Resolutionen durch ICED, nicht das Verschwinden des Oralismus aus allen Schulen oder einen weltweit einheitlichen Zugang zu Gebärdensprache.

Korrigiert wird nicht die Behauptung, Lautsprache, Hörtechnik oder lautsprachlicher Unterricht seien grundsätzlich schädlich. Korrigiert wird die Annahme, Gebärdensprache selbst behindere die sprachliche oder geistige Entwicklung gehörloser Kinder und müsse deshalb systematisch ausgeschlossen werden.

160–4

Abstimmung für die Resolution von 1880, die Artikulation gegenüber Gebärden für überlegen erklärte

150–16

Abstimmung für reine Lautspracherziehung statt gleichzeitiger Verwendung von Sprache und Gebärden

130 Jahre

Zeitraum bis zur formellen Zurückweisung der Mailänder Resolutionen durch ICED im Jahr 2010

Zahlen werden nur hervorgehoben, wenn sie durch die angegebenen Quellen gestützt werden. Die Größe einer damit verbundenen Katastrophe wird nicht automatisch als ausschließlich durch diese Überzeugung verursacht behandelt.

Institutionelle Episode

International — Internationaler Kongress zur Bildung Gehörloser

1880–2010Offiziell unterstützt

Der Mailänder Kongress erklärte 1880 Artikulation gegenüber Gebärden für überlegen und behauptete, die Verbindung von Sprache und Gebärden schade Artikulation, Lippenlesen und der Präzision der Vorstellungen. Seine Resolutionen verliehen reiner Lautspracherziehung internationale fachliche Autorität und wirkten auf zahlreiche Bildungssysteme für Gehörlose ein. 2010 wies der 21. International Congress on the Education of the Deaf die Mailänder Resolutionen formell zurück, erkannte ihre schädlichen Folgen an und forderte Respekt für alle Sprachen und Kommunikationsformen.

Institutionen

  • International Congress on the Education of the Deaf (ICED)

Dokumentierte Folgen

  • Internationale fachliche Legitimation reiner Lautspracherziehung
  • Ausschluss oder Abwertung von Gebärdensprachen in vielen Bildungseinrichtungen für Gehörlose
  • Ausschluss oder Marginalisierung gehörloser Lehrkräfte in oralistisch organisierten Systemen
  • Eingeschränkter Zugang zu vollständig zugänglicher Sprache für Kinder, die lautsprachlichen Unterricht nicht ausreichend wahrnehmen konnten

Institutioneller Apparat

Im September 1880 verabschiedete ein internationaler Pädagogenkongress in Mailand Resolutionen, die die „unbestreitbare Überlegenheit“ der Artikulation gegenüber Gebärden behaupteten und erklärten, die gleichzeitige Verwendung von Sprache und Gebärden beeinträchtige Artikulation, Lippenlesen und die Präzision der Vorstellungen. Der Kongress bevorzugte deshalb die reine Lautsprachmethode. Die Resolutionen hatten für sich genommen keine Gesetzeskraft, wurden aber zu einem einflussreichen fachlichen Bezugspunkt für Bildungseinrichtungen weltweit. Auf dem ICED 2010 in Vancouver wurden die Mailänder Resolutionen formell zurückgewiesen und ihre schädlichen Folgen anerkannt.

Quellen und was sie belegen

Zuletzt geprüft: 24.8.2026