Institutionelle Überzeugung · Criminology and anthropology
Erbliche Kriminalität
Die Zugehörigkeit zu bestimmten Kasten oder „Stämmen“ wurde als Hinweis auf eine erbliche Neigung zu Kriminalität behandelt.
1 Episode
Heutiger Wissensstand
Heutiger Wissensstand
Kriminelles Verhalten ist keine erbliche Eigenschaft einer Kaste, eines „Stammes“ oder einer ethnischen Gemeinschaft. Es wird von individuellen Umständen, Institutionen, Gelegenheiten, sozialen Bedingungen und vielen weiteren Faktoren geprägt; Abstammung begründet keine kollektive kriminelle Veranlagung.
Institutionelle Episode
Britisch-Indien
Die Criminal Tribes Acts ermöglichten es den Kolonialbehörden, ganze Gemeinschaften als Gruppen einzustufen, deren Kriminalität als erblich galt. Der Verwaltungsapparat war im Gesetz konkret benannt: Provinzregierungen beziehungsweise „Local Governments“ betrieben die Einstufung und Umsetzung, District Magistrates führten Register und Bewegungsauflagen, die Polizei setzte sie durch, und im Punjab überwachte ab 1917 ein eigenes Criminal Tribes Department das System. Menschen konnten allein aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit registriert, überwacht, in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und in Siedlungen gezwungen werden.
Institutionen
- Governor-General of India in Council
- Punjab Criminal Tribes Department
- District Magistrates
- District Superintendents of Police
Dokumentierte Folgen
- Kollektive Registrierung und Überwachung
- Einschränkung der Bewegungsfreiheit
- Zwangsansiedlung und „Reform“
Institutioneller Apparat
Die Criminal Tribes Acts übertrugen die Durchführung den provinziellen „Local Governments“ und Distriktbeamten. Registrierung, Überwachung, Aufenthaltsbeschränkungen und Vollzug liefen daher über einen verteilten kolonialen Verwaltungs- und Polizeiapparat; im Punjab bestand später mit dem Punjab Criminal Tribes Department eine eigene Fachbehörde.
Quellen und was sie belegen
- Criminal Tribes Act, 1871India Code / Government of India
Primary statutory text naming the Governor-General in Council, Local Governments, magistrates, District Superintendents of Police, registration, movement restrictions, settlement powers, and police enforcement.
- State and Criminal Tribes in Colonial Punjab — Surveillance, Control and Reclamation of the “Dangerous Classes”Modern Asian Studies
Describes roughly 150,000 Punjabis notified under the Criminal Tribes Act as members of tribes and castes whose hereditary occupation was deemed to be crime.
- The Criminal Tribe in India before 1947University of Leeds
Reconstructs the implementing administration, including Punjab's Deputy Commissioner for Criminal Tribes, the Criminal Tribes Department, settlement staff, and police officers who operationalized the category.
- The Moghia Menace, or the Watch Over Watchmen In British IndiaModern Asian Studies
Examines the colonial classification of Moghias as hereditary professional robbers and its connection to the first Criminal Tribes Act of 1871.
Zuletzt geprüft: 23.8.2026